Osteoporose vorbeugen: Wann eine Risikoabklärung sinnvoll ist

Osteoporose bedeutet, dass Knochen an Stabilität verlieren und dadurch leichter brechen können. Sie verursacht häufig lange keine Beschwerden und wird manchmal erst nach einem Knochenbruch bemerkt. Vorbeugen heißt deshalb nicht, sich selbst zu testen oder vorsorglich Medikamente einzunehmen. Entscheidend ist, das persönliche Frakturrisiko – also das Risiko für Knochenbrüche – rechtzeitig und im Gesamtzusammenhang einzuordnen.

Die kurze Antwort: Nicht jeder braucht eine Untersuchung – manche sollten sie nicht aufschieben

Eine ärztliche Risikoabklärung ist besonders sinnvoll nach einem Knochenbruch, bei wiederholten Stürzen oder bei einer längerfristigen systemischen Glukokortikoidtherapie, umgangssprachlich oft Kortison genannt. Auch Alter, frühere Frakturen, Begleiterkrankungen und weitere Medikamente spielen eine Rolle. Eine einzelne Knochendichtemessung beantwortet diese Fragen nicht vollständig.

Die aktuelle DVO-/AWMF-Leitlinie empfiehlt kein pauschales Selbst-Screening für alle Erwachsenen. Stattdessen soll gezielt abgeklärt werden, wenn Risikofaktoren oder Frakturen darauf hinweisen. Bei allen Frakturen ab 50 Jahren soll das Frakturrisiko zeitnah eingeschätzt werden; das gilt ebenso für postmenopausale Frauen unter 50 Jahren. Bei einem Hinweis auf eine Fragilitätsfraktur soll zeitnah eine Basisdiagnostik erfolgen.DVO: Konstellationen für eine Basisdiagnostik

Für Frauen und Männer ab 70 Jahren sollte eine Osteoporose-Diagnostik angeboten werden, wenn daraus voraussichtlich sinnvolle therapeutische Maßnahmen folgen können. Auch eine regelmäßige Sturzanamnese gehört in dieser Altersgruppe zur Risikoeinschätzung.DVO: Konstellationen für eine Basisdiagnostik

Warum Osteoporose oft erst spät auffällt

Knochen verändern sich schleichend. Eine Osteoporose kann daher unbemerkt bleiben, bis ein Bruch entsteht. Häufig betroffen sind Wirbelkörper, Hüfte, Handgelenk, Oberarm oder Becken.gesund.bund.de: Osteoporose

Neu auftretende oder zunehmende Rückenschmerzen, ein deutlicher Größenverlust oder eine stärker gebückte Haltung können Anlass für ein ärztliches Gespräch sein. Sie beweisen aber für sich allein keine Osteoporose: Rückenschmerzen und Haltungsveränderungen können viele Ursachen haben.

Wann eine Risikoabklärung in der Hausarztpraxis sinnvoll ist

Ein guter Anlass für ein Gespräch ist ein Knochenbruch nach einem leichten Sturz oder einer geringen Belastung. Auch ohne Fraktur können bestimmte Situationen eine Abklärung nahelegen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • wiederholte Stürze oder eine deutliche Unsicherheit beim Gehen
  • eine bekannte Wirbel- oder Hüftfraktur
  • eine systemische Glukokortikoidtherapie, insbesondere wenn mehr als 5 mg Prednisolon-Äquivalent täglich über mehr als drei Monate eingenommen werden oder in den vergangenen zwölf Monaten begonnen wurde
  • Untergewicht oder ungewollter Gewichtsverlust
  • Rauchen oder riskanter Alkoholkonsum
  • eine Hüftfraktur bei einem Elternteil
  • Erkrankungen oder Arzneimittel, die das Frakturrisiko erhöhen können

Diese Beispiele sind keine Selbstdiagnose-Checkliste. Ob sie im Einzelfall relevant sind, hängt von der gesamten Krankengeschichte ab. Setzen Sie verordnete Medikamente, insbesondere Kortison, Schilddrüsenhormone, Psychopharmaka, Schmerzmittel oder Osteoporosemedikamente, nicht eigenständig ab und verändern Sie die Dosis nicht selbst.

Was bei der Abklärung geprüft wird

Die Abklärung besteht in der Regel aus mehreren Bausteinen. Zunächst geht es um frühere Brüche, Stürze, Erkrankungen, Medikamente, Ernährung und Lebensstil. Es folgen eine körperliche Untersuchung und – wenn sie angezeigt ist – eine Knochendichtemessung mit der sogenannten DXA-Methode. DXA steht für Dual-Röntgen-Absorptiometrie; gemessen wird meist an Lendenwirbelsäule und Hüfte.DVO: Basisdiagnostik

Je nach Situation können Basislaborwerte und eine Bildgebung wichtig sein, etwa wenn der Verdacht auf Wirbelkörperbrüche besteht. Der dabei ermittelte T-Score beschreibt die Knochendichte im Vergleich zu einer jungen Referenzgruppe. Er ist kein vollständiges Urteil über das persönliche Frakturrisiko. Alter, Frakturen, Stürze und mögliche andere Ursachen gehören immer mit in die Bewertung.

Für den Termin hilft es, eine aktuelle Medikamentenliste, Informationen zu früheren Brüchen und bekannte Erkrankungen mitzubringen.

Was Sie selbst für Knochen und Sturzprävention tun können

Allgemeine Frakturprophylaxe kann Risiken beeinflussen, auch wenn sie keinen sicheren Schutz vor Knochenbrüchen verspricht. Sinnvoll sind vor allem Maßnahmen, die zu Ihrer Belastbarkeit und Ihrem Alltag passen:

  • regelmäßig in Bewegung bleiben und Kraft, Gleichgewicht sowie Koordination trainieren
  • Stolperfallen und andere Sturzrisiken im Alltag erkennen und möglichst verringern
  • ausgewogen essen und Untergewicht oder Mangelernährung vermeiden
  • nicht rauchen und riskanten Alkoholkonsum vermeiden

Steigern Sie Bewegung nicht abrupt. Nach einem Bruch, bei starken Schmerzen, deutlicher Gangunsicherheit oder neurologischen Einschränkungen sollte die passende Belastung vorher ärztlich oder physiotherapeutisch besprochen werden.DVO: Generelle Osteoporose- und Frakturprophylaxe

Was Knochendichtemessung und Nahrungsergänzung nicht leisten

Eine DXA-Messung ist hilfreich, ersetzt aber nicht die gesamte Risikoeinschätzung. Umgekehrt lässt sich aus einem einzelnen Wert auch nicht zuverlässig ableiten, ob jemand einen Knochenbruch erleiden wird oder nicht.

Für Calcium und Vitamin D gilt ebenfalls: Mehr ist nicht automatisch besser. Die DVO-Leitlinie nennt als Orientierung eine tägliche Gesamtzufuhr von 1.000 mg Calcium und mindestens 800 internationalen Einheiten Vitamin D. Nahrung und bei Vitamin D eine angemessene Sonnenexposition haben Vorrang; Ergänzungsmittel können sinnvoll sein, wenn die Versorgung nicht ausreicht.DVO: Generelle Osteoporose- und Frakturprophylaxe

Pauschale Hochdosispräparate sind keine gute Vorsorgestrategie. Wer relevante Vorerkrankungen hat, regelmäßig Medikamente einnimmt oder eine Ergänzung erwägt, sollte die individuelle Eignung und Menge vorab ärztlich oder in der Apotheke klären. Für Menschen ab 65 Jahren mit erhöhtem Frakturrisiko nennt die DVO außerdem mindestens 1,0 g Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht und Tag als Orientierungswert; bei Nieren- oder anderen Erkrankungen gehört auch das in die individuelle Beratung.

Wann Sie rasch medizinische Hilfe brauchen

Warten Sie nach einem Sturz oder Unfall nicht auf eine Routineabklärung, wenn starke Rücken-, Hüft- oder Beinschmerzen auftreten, eine Fehlstellung sichtbar ist, Sie nicht auftreten oder sich nicht bewegen können oder neue neurologische Ausfälle hinzukommen. Veranlassen Sie dann zeitnah medizinische Hilfe.

Fazit

Osteoporose lässt sich nicht allein an einem Laborwert, einer Messung oder einem Nahrungsergänzungsmittel festmachen. Besonders nach einem Bruch, bei wiederholten Stürzen oder einer längerfristigen Kortisoneinnahme ist ein hausärztliches Gespräch sinnvoll. Gemeinsam lässt sich klären, ob und welche Diagnostik oder Prävention zu Ihrer persönlichen Situation passt.

Quellen