Brustkrebsmonat kann ein Anlass sein, über die eigene Brustgesundheit nachzudenken. Wenn Ihnen eine neue oder anhaltende Veränderung an Brust, Brustwarze oder Achsel auffällt, ist eine ärztliche Einordnung sinnvoll. Viele Veränderungen haben gutartige Ursachen. Aus der Beobachtung allein lässt sich jedoch nicht zuverlässig ableiten, was dahintersteckt.12
Die kurze Antwort
Warten Sie mit einer selbst bemerkten Veränderung nicht bis zum nächsten routinemäßigen Vorsorgetermin oder Mammographie-Screening. Beschwerden und auffällige Veränderungen gehören in eine symptomorientierte Abklärung. Sie beginnt meist mit einem Gespräch und einer Untersuchung; je nach Befund können bildgebende Untersuchungen oder weitere Schritte folgen.23
Ein auffälliger Befund ist dabei nicht gleichbedeutend mit einer Krebsdiagnose. Die Abklärung soll gerade unterscheiden helfen, ob und welche weitere Untersuchung nötig ist.2
Welche Veränderungen sollten Sie zeitnah ansprechen?
Eine zeitnahe ärztliche Einordnung ist besonders sinnvoll bei:
- einer neu ertasteten Verhärtung, Verdickung oder einem Knoten,
- einer neuen deutlichen Veränderung von Größe oder Form einer Brust,
- neuen Haut- oder Brustwarzenveränderungen, zum Beispiel Einziehung, Schuppung, Nässen oder einer hautähnlichen Struktur wie Orangenhaut,
- neuer Rötung, Schwellung oder Überwärmung,
- klarem oder blutigem Ausfluss aus der Brustwarze,
- neu geschwollenen Lymphknoten in der Achsel oder oberhalb des Schlüsselbeins.1
Diese Zeichen können unterschiedliche Ursachen haben und sind keine Ferndiagnose. Gerade deshalb ist es hilfreich, Veränderungen nicht allein zu beobachten, sondern ärztlich einordnen zu lassen.1
So läuft die Abklärung typischerweise ab
Am Anfang stehen Ihre Beobachtungen und Beschwerden: Wann ist die Veränderung aufgefallen? Hat sie sich verändert? Anschließend wird die Brust einschließlich der Achselregion untersucht.23
Welche Untersuchung danach sinnvoll ist, richtet sich nach dem Befund. Mammographie und Ultraschall können sich ergänzen; sie werden nicht pauschal, sondern befundabhängig eingesetzt. Wenn ein Verdacht nach den Untersuchungen fortbesteht, kann eine Gewebeprobe nötig sein, um eine Diagnose zu sichern.23
Eine hausärztliche Erstabklärung kann helfen, Beschwerden zu sortieren, die körperliche Untersuchung zu beginnen und das passende weitere Vorgehen zu besprechen. Sie ersetzt nicht die weiterführende Diagnostik, wenn diese aufgrund des Befunds erforderlich ist.
Früherkennung ist nicht dasselbe wie Beschwerdeabklärung
Das organisierte Mammographie-Screening richtet sich an Menschen ohne Beschwerden. Derzeit können Frauen von 50 bis einschließlich 75 Jahren grundsätzlich alle 24 Monate teilnehmen; die Teilnahme ist freiwillig.45
Daneben besteht für gesetzlich Versicherte Frauen ab 30 Jahren ein Anspruch auf eine jährliche klinische Untersuchung der Brust und der zugehörigen Lymphknoten.4
Wenn Sie selbst eine Veränderung bemerken, sollten Sie jedoch nicht auf die nächste Einladung oder die nächste reguläre Untersuchung warten. Dann geht es nicht um Routine-Früherkennung, sondern um die Abklärung eines konkreten Befunds.24
Was Früherkennung leisten kann – und was nicht
Früherkennungsangebote können Auffälligkeiten entdecken, bevor Beschwerden entstehen. Sie können Brustkrebs aber nicht verhindern und nicht jede Erkrankung sicher ausschließen. Ein unauffälliges Ergebnis ist daher kein dauerhafter Schutz vor einer späteren Veränderung.5
Umgekehrt kann ein auffälliger Screening-Befund weitere Untersuchungen nach sich ziehen und sich später als gutartig herausstellen. Auch Überdiagnosen gehören zu den möglichen Nachteilen, über die eine informierte Entscheidung berücksichtigen sollte.56
Wie dringend ist eine Abklärung?
Eine neue oder anhaltende Brustveränderung sollte zeitnah abgeklärt werden. Ein Brustkrebsverdacht ist grundsätzlich kein medizinischer Notfall.2 Wenn jedoch unabhängig davon akute, eindeutig bedrohliche Beschwerden auftreten, holen Sie bitte umgehend medizinische Hilfe.
Häufige Fragen
Kann ich selbst prüfen, ob ein Knoten gefährlich ist?
Selbstbeobachtung kann helfen, eine Veränderung wahrzunehmen. Sie kann aber keine ärztliche Untersuchung oder Diagnostik ersetzen. Ob ein Befund gutartig oder behandlungsbedürftig ist, lässt sich nicht zuverlässig ertasten oder anhand einzelner Merkmale entscheiden.12
Bedeutet ein Knoten automatisch Brustkrebs?
Nein. Viele Brustveränderungen sind gutartig. Eine neue oder anhaltende Veränderung sollte trotzdem abgeklärt werden, damit die Ursache verlässlich eingeordnet werden kann.12
Was ist der Unterschied zwischen Screening-Mammographie und diagnostischer Mammographie?
Die Screening-Mammographie ist ein organisiertes Früherkennungsangebot für Menschen ohne Beschwerden. Bei einer selbst bemerkten Veränderung wird die Diagnostik nach dem individuellen Befund geplant; dabei kann eine Mammographie Teil der Abklärung sein.25
Quellen
Footnotes
-
Symptome bei Brustkrebs, Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), aktualisiert am 09.05.2022. ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5
-
Diagnose Brustkrebs: Untersuchungen bei Krebsverdacht, Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), aktualisiert am 28.09.2022. ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10
-
S3-Leitlinie Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms, Version 5.02 (Konsultationsfassung), Leitlinienprogramm Onkologie, 05/2025. ↩ ↩2 ↩3
-
Krebsfrüherkennungs-Richtlinie (KFE-RL), Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA), abgerufen am 04.11.2026. ↩ ↩2 ↩3
-
Brustkrebs-Früherkennung – Mammographie-Screening-Programm, Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA), abgerufen am 04.11.2026. ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
Brustkrebs: Früherkennung durch Abtasten und Mammographie, Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), abgerufen am 04.11.2026. ↩




