Ein Bauchaortenaneurysma ist eine Ausweitung der Bauchschlagader. Es verursacht oft lange keine Beschwerden. Das einmalige Ultraschall-Screening soll bei gesetzlich versicherten Männern ab 65 Jahren helfen, eine solche Ausweitung früh zu erkennen – damit Befunde in Ruhe eingeordnet und bei Bedarf weiter abgeklärt werden können.

Die kurze Antwort: Wer hat Anspruch?

Gesetzlich versicherte Männer ab 65 Jahren haben Anspruch auf eine einmalige Ultraschalluntersuchung zur Früherkennung von Bauchaortenaneurysmen. Die Teilnahme ist freiwillig. Vor der Untersuchung ist ein ärztliches Aufklärungsgespräch vorgesehen; dazu gehört auch die Versicherteninformation des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA).

Das Angebot bezieht sich auf diese Zielgruppe. Es ersetzt keine individuelle Abklärung, wenn Beschwerden bestehen oder es andere persönliche Risikofaktoren gibt.

Was wird beim Ultraschall untersucht?

Bei der Untersuchung wird der Durchmesser der Bauchschlagader, medizinisch Bauchaorta, mit Ultraschall gemessen. Dabei geht es insbesondere um den Abschnitt der Bauchschlagader unterhalb der Nierenarterien.

Ein unauffälliger Befund bedeutet, dass im Rahmen dieser einmaligen Untersuchung kein Aneurysma festgestellt wurde. Er ist jedoch keine Garantie für die Zukunft.

Was geschieht, wenn die Bauchschlagader erweitert ist?

Die Richtlinie unterscheidet zwischen einer auffälligen Messung ab 2,5 Zentimetern und einem Bauchaortenaneurysma ab 3,0 Zentimetern. Bei einer Auffälligkeit folgt eine weitere Abklärung im Rahmen der Krankenbehandlung. Bei kleineren bis mittleren Aneurysmen stehen häufig Verlaufskontrollen im Vordergrund.

Ein auffälliger Befund bedeutet nicht automatisch, dass operiert werden muss. Ob eine Behandlung oder ein Eingriff sinnvoll ist, hängt unter anderem von Größe und Wachstum der Ausweitung, Beschwerden, Begleiterkrankungen, anatomischen Bedingungen und der persönlichen Situation ab. Diese Entscheidung wird individuell ärztlich und gegebenenfalls fachärztlich getroffen.

Welchen Nutzen kann das Screening haben – und welche Nachteile gibt es?

Für Männer zeigen die ausgewerteten Studien einen Nutzen des Screenings: Weniger Rupturen, weniger Notfalloperationen sowie weniger Todesfälle durch ein Bauchaortenaneurysma und insgesamt. Die großen Studien stammen allerdings überwiegend aus den 1990er Jahren. Deshalb können die heutigen absoluten Effekte anders ausfallen, wenn sich Häufigkeit und Risikostruktur in der Bevölkerung verändert haben.

Die Zahlen helfen bei der Einordnung, sind aber keine persönliche Prognose: In der G-BA-Versicherteninformation finden sich für 1.000 untersuchte Männer ab 65 Jahren ungefähr 980 ohne Aneurysma, 18 mit einem kleinen bis mittleren und 2 mit einem großen Aneurysma. Für 13 Jahre wurden in patientenverständlichen Auswertungen etwa 7 gegenüber 4 Rupturen und 6 gegenüber 3 aneurysmabedingte Todesfälle pro 1.000 Männer ohne beziehungsweise mit Früherkennung geschätzt.

Auch Nachteile gehören zur Entscheidung: Manche entdeckten Aneurysmen wären ohne Screening möglicherweise nie auffällig geworden. Eine Diagnose kann Sorgen auslösen und zu Kontrolluntersuchungen führen. Risiken entstehen vor allem dann, wenn nachfolgend ein geplanter Eingriff in Betracht kommt. Die Untersuchung selbst ist eine Ultraschallmessung.

Ist das Screening Teil des Check-ups?

Das Bauchaorten-Screening ist ein eigenes einmaliges Früherkennungsangebot für anspruchsberechtigte Männer ab 65 Jahren. Es kann im Vorsorgegespräch thematisiert werden, ist aber nicht einfach mit jeder Gesundheitsuntersuchung gleichzusetzen. Mehr zum allgemeinen Vorsorgeangebot finden Sie unter Gesetzliche Gesundheitsuntersuchung / Check-up.

Für Diagnostik wie Ultraschall oder die gesetzliche Gesundheitsuntersuchung bittet die Praxis um telefonische Terminvereinbarung. Eine konkrete Durchführungsgenehmigung für das Bauchaorten-Screening wird hier nicht vorausgesetzt oder behauptet.

Wann sollte ich nicht auf einen Vorsorgetermin warten?

Plötzlich sehr starke Bauch-, Rücken- oder Flankenschmerzen, insbesondere mit Ausstrahlung, sind kein Anlass, auf einen Vorsorgetermin zu warten. Das gilt besonders bei Begleitzeichen wie Übelkeit oder Erbrechen, Schweißausbruch, Atemnot, Schwindel oder Bewusstlosigkeit. Bei solchen akuten schweren Beschwerden rufen Sie den Notruf 112.

Gut informiert entscheiden

Das Screening ist ein freiwilliges Angebot. Ein ärztliches Gespräch kann helfen, Nutzen und mögliche Nachteile für die eigene Situation einzuordnen. Die Versicherteninformation zum Ultraschallscreening auf Bauchaortenaneurysmen bietet dafür eine gute Grundlage.

Quellen