Lipoprotein(a), kurz Lp(a), ist ein Blutwert, der bei der Vorsorge manchmal Fragen aufwirft. Er ist überwiegend genetisch geprägt. Ein erhöhter Befund ist keine Diagnose und verursacht keine Beschwerden. Er kann aber dabei helfen, das persönliche Herz-Kreislauf-Risiko zusammen mit anderen Faktoren genauer einzuordnen.

Die kurze Antwort: Lp(a) ist ein Baustein, kein Urteil

Bei der Einschätzung des Herz-Kreislauf-Risikos geht es nie nur um einen Laborwert. Wichtig sind zum Beispiel auch LDL-Cholesterin, Blutdruck, Diabetes, Rauchen, Bewegung, Gewicht und Erkrankungen in der Familie. Lp(a) kann diese Gesamtschau ergänzen, besonders wenn eine Risikoeinordnung nicht eindeutig ist.

Die aktuellen europäischen und deutschen Leitlinien berücksichtigen erhöhte Werte über 50 mg/dL oder über 105 nmol/L als Risikomodifikator. Diese parallel genannten Richtwerte sind keine exakte Umrechnungsformel. Laborwerte können je nach Methode in unterschiedlichen Einheiten angegeben werden. Deshalb sollte ein Befund immer mit seiner Einheit, dem Referenzbereich des Labors und dem gesamten Risikoprofil ärztlich eingeordnet werden, nicht anhand einer Internet-Tabelle.

Was Lipoprotein(a) von anderen Blutfetten unterscheidet

Lp(a) ist ein Lipoprotein im Blut. Seine Konzentration wird überwiegend vererbt und bleibt im Erwachsenenalter meist relativ stabil. Bewegung, Rauchstopp, ausgewogene Ernährung und die Behandlung anderer Risikofaktoren senken das gesamte Herz-Kreislauf-Risiko, verändern den genetisch geprägten Lp(a)-Wert aber meist nur wenig.

Ein hoher Lp(a)-Wert bedeutet nicht, dass bereits eine Herz- oder Gefäßerkrankung vorliegt. In einer Beobachtungsstudie mit 27.756 Menschen ohne bekannte atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankung waren höhere Lp(a)-Kategorien über durchschnittlich 21,1 Jahre mit mehr erstmaligen Ereignissen assoziiert. Daraus lässt sich weder eine persönliche Prognose noch eine individuelle Therapie ableiten.

Wann die Bestimmung in der hausärztlichen Beratung eine Rolle spielen kann

Eine Lp(a)-Messung kann nach ärztlicher Einordnung helfen, das Herz-Kreislauf-Risiko genauer einzuordnen. Die aktuelle ESC/EAS-Leitlinie empfiehlt, eine Messung mindestens einmal im Erwachsenenleben zu erwägen. Lp(a) ist dabei ein Risikomodifikator, keine Diagnose und kein Selbsttest.

Anlass für ein Gespräch können zum Beispiel sein:

  • Herzinfarkt, Schlaganfall oder andere Gefäßerkrankungen in jungem Alter bei nahen Angehörigen
  • mehrere Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Rauchen
  • auffällige Cholesterinwerte
  • eine Situation, in der das gesamte Herz-Kreislauf-Risiko genauer eingeordnet werden soll

Die Messung ist keine Garantie dafür, dass sich jedes Risiko erkennen oder ausschließen lässt. Auch zur Kostenübernahme und dazu, welche Laborwerte Teil einer bestimmten Vorsorgeuntersuchung sind, lässt sich keine pauschale Aussage treffen.

Was bei einem erhöhten Wert praktisch wichtig ist

Bei einem erhöhten Lp(a)-Wert steht die Gesamtrisikoeinordnung im Mittelpunkt. Entscheidend ist, die Faktoren anzugehen, die sich beeinflussen lassen. Dazu gehören insbesondere:

  • nicht zu rauchen oder Unterstützung beim Rauchstopp anzunehmen
  • Blutdruck, Blutzucker und LDL-Cholesterin ärztlich prüfen und gegebenenfalls behandeln zu lassen
  • regelmäßig körperlich aktiv zu sein – passend zu Gesundheit und Alltag
  • sich ausgewogen zu ernähren und ein gesundes Körpergewicht anzustreben
  • verordnete Medikamente nicht eigenständig abzusetzen oder zu ändern

Nahrungsergänzungsmittel sollten nicht als Lösung für einen erhöhten Lp(a)-Wert verstanden werden. Entscheidungen zu Arzneimitteln oder anderen medizinischen Maßnahmen hängen vom gesamten individuellen Risiko ab und werden ärztlich getroffen. Eine reguläre, endpunktgesicherte Standardtherapie zur isolierten Lp(a)-Senkung wird hier nicht empfohlen.

Wann Sie zeitnah ein Gespräch vereinbaren sollten

Ein Lp(a)-Laborwert ist kein Akutmarker. Sinnvoll ist ein ärztliches Gespräch, wenn Sie einen erhöhten Befund erhalten haben, in Ihrer Familie früh Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorkamen oder Sie mehrere Risikofaktoren gemeinsam einordnen möchten.

Unabhängig von einem Lp(a)-Wert: Bei neu auftretendem, anhaltendem Brustschmerz oder Brustdruck, schwerer Atemnot, Ohnmacht oder neuen neurologischen Ausfällen sollten Sie sofort medizinische Hilfe holen.

Fazit

Lp(a) kann eine nützliche Zusatzinformation sein, vor allem bei familiärer Vorbelastung oder einer unklaren Risikosituation. Ein erhöhter Wert ist aber kein Grund für Selbstdiagnosen. Die wirksamste Prävention bleibt die gemeinsame Betrachtung des gesamten Risikoprofils und die konsequente Behandlung beeinflussbarer Faktoren.

Quellen